Allgemein,  Aus dem Unterricht

Moosglanz und die drei Zaubersteine

Aus dem Deutschunterricht

Ein Märchen von Luisa Seib, 6c

Vor langer Zeit wohnte eine arme Familie in einem winzigen Dorf. Die Eltern hatten kein Geld, um Essen zu kaufen und die Sorgen wurden jeden Tag größer. Die Eltern hatten kein Geld, um ihr Schühchen zu kaufen. Da hielt es die Tochter vor Traurigkeit nicht mehr aus. Doch das Mädchen war ein echtes Naturkind.

Am liebsten sammelte sie das Moos aus dem Wäldchen, das so frisch und lebendig leuchtete wie der allererste Frühlingstag. Daraus flocht sie sich ein Kleid und da das Mädchen dieses Kleidchen immer trug und ihr Herz so schimmerte und glänzte wie Silber, nannten die Dorfbewohner sie Moosglanz. Sie lief von zu Hause weg und floh in das Wäldchen. Sie lief immer tiefer in den Wald hinein. Die Bäume waren nun so dicht, dass kein Sonnenstrahl mehr durchkam. Plötzlich stand sie vor einer Höhle, die so geheimnisvoll schien wie die Höhle eines Zauberers.Doch der Eingang war durch drei Steine versperrt, die so hässlich wie Kohle waren.

Moosglanz trat näher an die Steine heran. Doch auf einmal öffneten sich steinerne Augen, die so braun wie der dunkelste Erdboden waren. Der größte von ihnen öffnete seinen Mund und sagte mit tiefer, hässlicher Stimme: „Wenn du hier rein möchtest, musst du erst mal drei schwere Aufgaben von uns lösen und wenn du versagst, wirst du für immer in der Höhle eingesperrt.“ „Und was passiert, wenn ich es schaffe?“, fragte sie schüchtern. „Dann bist du reich bis an dein Lebensende“, sagte der kleinste Stein.

Moosglanz dachte wieder an ihre Eltern und entschied mutig: „Ich habe keine Angst vor euch. Sagt mir, was ich tun soll!“ Der größte Stein lachte finster auf: „Dann hol mir Schnee von der Bergspitze. Aber beeile dich, bevor er in deinen Händen schmilzt.“ Moosglanz war verzweifelt. Wie sollte sie das nur schaffen? Und wie sie da so am Wegrand saß und schluchzte, dachte sie wieder an ihre Eltern und entschied, es zu versuchen. Sie drehte sich um und wanderte los. Sie war schon fast am Fuße des Berges angekommen. Da merkte sie, dass ihre Füße schon so kalt waren wie der Schnee, der dort schon auf dem kalten Boden lag. Sie fror außerdem noch an ihren Ärmchen und Beinchen, da sie nur ihr dünnes Mooskleidchen trug.

Doch plötzlich hörte sie ein leises Geräusch im Büschlein neben ihr. Es war ein Fuchs, dessen Fell so leuchtend orange war wie eine Flamme am Lagerfeuer. Das Füchslein zeigte ihr einen wärmeren und viel schnelleren Weg zu der kalten Bergspitze. Moosglanz nahm sich eine Hand voll Schnee und bedankte sich bei dem Fuchs. Da der Weg so schnell war, kam sie noch mit mindestens einem halben Händchen voll Schnee bei der Höhle an. Sie gab dem größten Stein den Schnee und sprach: „Steinchen, Steinchen, hart und grau. Die Aufgabe ist nun vollbracht. Öffne dich durch Zaubermacht.“ Der größte Stein war beeindruckt. Aber da er es versprochen hatte, rollte er grummelnd zur Seite. Da das Mädchen keine Zeit verlieren wollte, fragte sie direkt den zweiten Stein: „Welche ist deine Aufgabe?“ Der Stein antwortete: „Hole mir das Blatt, das so schimmert wie ein Kristall, von der seltenen Eiche.“ Moosglanz lief los und suchte nach dem schönen Bäumlein. Schon drei Stunden war sie durch den Wald gelaufen. Langsam wurde sie unruhig. Wie sollte sie dieses Blatt nur finden? Sie setzte sich auf einen Stein und da sie so müde war, fielen ihr auch bald die Äuglein zu.

Als sie aufwachte, schaute sie in den blauen Himmel und in einen schönen Baum. Sie stand auf und schaute sich den Baum genauer an und da erkannte sie, dass es der Baum war, von dem der Stein gesprochen hatte. Sie pflückte sich ein Blatt und lief zurück zu der Höhle. Dort angekommen, sprach sie zu dem Stein: „Steinchen, Steinchen hart und grau. Die Aufgabe ist nun vollbracht. Öffne dich durch Zaubermacht.“ Der Stein sah sie erst mal beeindruckt an und rollte dann so wie der andere Stein grummelnd zur Seite. Moosglanz freute sich, war aber auch gespannt, welche die nächste Aufgabe sein würde.

Der kleinste Stein sagte ihr, dass die dritte Aufgabe sei, dass sie den Stein der Zeiten finden sollte. Das Mädchen hatte von diesem Stein noch nichts gehört, aber sie lief los und suchte diesen Stein der Zeit. Da sie nicht wusste, wie der Stein aussah oder was der Stein der Zeit war, war das ziemlich schwer. Sie suchte und suchte. Moosglanz drehte jeden Stein, den sie fand, zweimal um. Doch bei jedem Stein, den sie in der Hand hatte, sagte ihr ihr Bauchgefühl, dass es nicht der Stein der Zeit war. Sie setzte sich hin und schluchzte. Sie war jetzt schon so weit gekommen. Woher sollte sie wissen, was der Stein der Zeit war?

Doch da hörte sie eine Stimme: „Ich könnte dir mit dem Stein der Zeit helfen.“ Moosglanz drehte sich um und blickte direkt in das Gesichtlein einer winzigen Maus. Das Mäuschen wackelte mit den Schnurrhaaren und sprach: „Der Stein der Zeit ist kein normaler Stein. Er funkelt so dolle wie Diamanten und ist weiß wie Schnee. Diesen besonderen Stein gibt es nur an den Wurzeln von Bäumen.“ Moosglanz grub an den Wurzeln eines Baumes und tatsächlich fand sie einen weißen und funkelnden Stein. Sie rannte erschöpft, aber überglücklich zurück zur Höhle. Vor dem Stein rief sie: „Steinchen, Steinchen hart und grau. Die Aufgabe ist nun vollbracht. Öffne dich durch Zaubermacht.“

Da rollte der kleinste Stein knurrend beiseite und der dunkle Hölleneingang öffnete sich. Doch was sie dort sah, ließ ihr fast den Atem stocken. Sie sah einen bezaubernden Prinzen. Er hatte braune Haare, so schön und weich glänzend wie das Feld des treuen Fuchses. Er hatte Augen, die so hell leuchteten wie zwei Sterne in der Nacht und obwohl er gefangen war, schimmerte sein Hemd so weiß wie der Schnee von der Bergspitze. Moosglanz lächelte ihn an und er lächelte zurück. Direkt neben ihm lag ein riesiger, funkelnder Berg aus purem Gold, der die ganze Höhle erleuchtete. Der Prinz sprach mit sanfter Stimme: „Du hast die drei Aufgaben gelöst und mich aus der Höhle befreit. Zum Dank möchte ich mein Leben und all das Gold mit dir teilen.“ Moosglanz war überglücklich. Sie nahmen so viel Gold mit, wie sie tragen konnten, und liefen schnell nach Hause zu Moosglanz‘ Eltern. Sie bauten sich ein Schloss, so groß und so schön und lebten alle zusammen darin. Schon bald feierten Moosglanz und der Prinz eine wunderschöne Hochzeit. Die Eltern mussten nie wieder hungern und frieren und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.